WiederVerstand2020

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Die Welt ist nur noch ein Phänomen

Unser blaue Planet

Zweifeln bedeutet, sich von der Illusion einer sicheren Welt zu verabschieden. „Ignoramus et ignorabimus“*. Wir werden die Wahrheit nicht erkennen. Die Welt bleibt immer unbegreiflich. So wird jede Debatte zum Fechtkampf auf dem Drahtseil. Und darunter der Abgrund. Da überlegt man besser dreimal, ob der Kampf sich lohnt. Ändert er etwas? Zum Beispiel:

„Gegenüber den Rätseln der Körperwelt ist der Naturforscher längst gewöhnt, mit männlicher Entsagung sein ‚Ignoramus‘ auszusprechen. Im Rückblick auf die durchlaufene siegreiche Bahn trägt ihn dabei das stille Bewusstsein, das, wo er jetzt nicht weiß, er wenigstens unter Umständen wissen könnte, und dereinst vielleicht wissen wird. Gegenüber dem Rätsel aber, was Materie und Kraft seien, und wie sie zu denken vermögen, muss er ein für allemal zu dem viel schwerer abzugebenden Wahrspruch sich entschließen: ‚Ignorabimus‘.“

– Über die Grenzen des Naturerkennens, 1872, Seite 464

* Emil Heinrich du Bois-Reymond prägte den Ausspruch „Ignoramus et ignorabimus“. (lat. „Wir wissen es nicht und wir werden es niemals wissen“)

Und der Klimawandel: Ob er menschengemacht ist, ist doch völlig irrelevant und akademisch.

Erstens wird die Menschheit nicht aufhören, mehr und mehr CO2 auszustoßen, solange sie an einem Wirtschaftssystem festhält, das zwingend quantitatives Wachstum braucht – egal, was Wissenschaftler und Politiker beschließen. Und zweitens ist es so oder so keine sonderlich pfiffige Idee, den Fortbestand eines Gesellschaftssystems vom Verbrauch einer endlichen Ressource abhängig zu machen. Also: Nicht streiten. Fahrrad fahren.

Es ergibt selten Sinn, über die Weltsysteme und die Gestirne zu streiten (es sei denn natürlich, es macht beiden Seiten Spaß). Mit einer gewissen Erfolgsaussicht können wir nur für die Probleme, die vor uns liegen, anhand von Zweifel und Argumenten die nach aktuellem Wissensstand beste Lösung finden. Das wäre eine wissenschaftliche Vorgehensweise. Und das ist alles.

Als ich vor vielen Jahren anfing, mich mit Wissenschafts- und Erkenntnistheorie zu befassen, fragte ich einen reiferen Philosophiestudenten ratlos: „Wenn ich weiß, dass ich nichts wissen kann, dann kann ich auch nichts glauben, denn Glauben heißt ja, zu wissen glauben. Was bleibt mir dann?“ Und er antwortete – und ich weiß bis heute nicht, ob das eine spontane Sottise war oder lang gereifte Weisheit, aber für mich ist es heute letzteres: „Wir können nichts wissen, wir können auch nichts mehr glauben. Wir können nur noch hoffen.“

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