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# Rainer Langhans wurde 80

Gestern hatte einer Geburtstag, den die Jüngeren unter euch vielleicht nur noch als Fußnote im heutigen Geschichtsunterricht kannten, Rainer Langhans, den ich als 68er Mitläufer, (damals noch keine 21. also nicht volljährig) einmal in Heidelberg mit dem Fritz Teufel aus Berlin bei einer Uni- Demoveranstaltung erlebt hatte. Ich war keiner von Ihnen. Aber als junger Mensch fasziniert, wie die meisten Nachkriegskinder, die das Schweigen der Eltern und alten übriggebliebenen Pädagogen aus der Nazizeit und dessen Erziehungsdrill mit Schlägen mit dem Stock auf vorzeigende Hände und „blanken“ Hintern erdulden mussten.

War schon eine tolle Zeit für uns „Arbeiterschlüsselkinder“, (Beide Eltern arbeiteten, um zu bescheidenden Wohlstand zu kommen.) Ja, von der Kommune I hatten wir auch gehört und ich erinnerte mich wie ich über Carl Theodor-Straße zum Schwetzinger Schloss ein paar in meinem Alter sprechen hörte: „Du, der Langhans und der Teufel sind morgen in Heidelberg an der Uni. Vielleicht kommt der Rudi (Dutschke) auch“, während zwei Teenager neben uns kreischten, kennst du schon die neueste Platte von den Beatles, „Helf!“ (Help, I need somebody, war eigentlich gemeint.)

Jedenfalls hatte ich über die Kommune I, den Rainer Langhans und der Uschi Obermeier und der „freie Liebe“ machen natürlich gehört. Der Rainer wurde gestern 80 und lebt als Einziger noch, obwohl er sich weniger den Revolten der 60ziger verschrieben fühlte, sondern sich lieber dem Kopulieren verschrieb. – Überall kann man jetzt noch einmal lesen, wie das damals war, als die Studenten alle demonstrierten – bis auf den Rainer und die Uschi aus der Kommune 1. Die hatten für so ein Gedöns keine Zeit. Die mussten sich selbst revolutionieren und freie Liebe machen.

Modifiziertes Bild der Kommune I (Berlin)

 

 















Zitat:
„Die Mitglieder der Kommune 1 gelten mit ihren provokanten Happenings und Aktionen zum damaligen Zeitpunkt als Popstars der Protestbewegung. Hunderte Sympathisanten protestieren in diesem Sommer vor dem Schöneberger Rathaus für die Freilassung des Kommunarden Fritz Teufel, der seit dem 2. Juni wegen eines Steinwurfs bei einer Demonstration gegen den Schah in Untersuchungshaft sitzt. Die Kommune 1 sieht sich und ihre Generation zunehmender Polizeigewalt ausgesetzt und in ihrer Privatsphäre massiv eingeschränkt“. Zitat: Ende

Zitat: „Der 30-jährige Tom Hesterberg selbst hatte die Idee für das einer Polizeirazzia nachempfundenen Nacktfoto. Chef-Provokateur und Patriarch Dieter Kunzelmann, Gertrud Hemmer, Volker Gebbert, Dagmar Seehuber (oder Antje Krüger), APO-It-Boy Rainer Langhans, Dorothea Ridder, Hans Magnus’ Bruder Ulrich Enzensberger und der kleine Sohn von Gertrud Hemmer, eines der beiden Kommune-Kinder, reihen sich nackt, mit ausgestreckten Armen und gespreizten Beinen an der ebenso nackten Wand des Frühstückszimmers der berühmtesten deutschen Wohngemeinschaft auf“. Zitat: Ende

 

 

 

 

 

 





















So jung wie er wäre mancher Altachtundsechziger gerne geworden“. Dem Spiegel  hatte Langhans gesagt, dass er Trump und Facebook ziemlich toll findet und dass er, wenn es das Internet damals schon gegeben hätte, vermutlich ein „YouTubeStar“ geworden wäre.

Und der Münchener Boulevardzeitung tz vertraute er an, dass er von Uschi Obermaier keine Glückwünsche zum 80. Geburtstag erwartet  „Wir sind so zerstritten, dass sie nur noch schreit, wenn sie ein Wort von mir am Telefon hört“.

Das klärt auch das Bild meiner Jugenderinnerungen an die 68 er, deren Protest mich seiner Zeit faszinierten, dass ich mich damals jeden Abend in irgendeiner Studentenkneipe in der Heidelberger Altstadt herumtrieb, einmal sogar im „Patientenkollegtiv“ eingeladen war, weil die damals glaubten, wegen meiner Redegewandtheit und schnell Auffassungsgabe“, wäre ich einer der ihrigen.

Aber wie ist Rainer Langshans überhaupt zu Ikone einer Revolution geworden, der nie einen Hehl daraus machte, dass es ihm immer in erster Linie um seine eigene Sinnsuche  ging und „Liebe machen, mit Uschi“. Die sind heute derart zerstritten, dass sie kreischt, wenn sie seine Stimme am Telefon vernimmt. „Nein, einen Anruf zum 80-zigen, hat er nicht von ihr erwartet.“

Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, auch nur einen Finger zu rühren, um die Gesellschaft zu verändern. Seine politische Untätigkeit versteckte er immer hinter dem Slogan: „Das Private ist politisch.“ – So bleibt er für die Geschichtsbücher jedoch für immer verbunden mit der Kommune I.

Happy Birthday Rainer! – Schließlich wird man nur einmal 80. Vermutlich die Wenigsten.

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