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Gelebte Demokratie: Der Fall der Sparkassenkunde(in) Marlies Krämer (80)

ARCHIV – 20.02.2018, Baden-Württemberg, Karlsruhe: Marlies Krämer (80) wartet im Bundesgerichtshof (BGH) auf den Beginn ihrer Verhandlung. Die Rentnerin klagte vor dem BGH, dass Sparkassen auf ihren Formularen auch die weibliche Form von Kontoinhaber, also Kontoinhaberin, nennen müssen. Das Bundesverfassungsgericht wies die Klage der Frau wegen Mängeln in der Begründung ab. Das teilte das Gericht in Karlsruhe am 01.07.2020 mit. Damit wurde über die rechtliche Frage nicht inhaltlich entschieden. Foto: Uli Deck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Vordrucken und Formularen verzichten Sparkassen und andere Institutionen meist darauf, Frauen mit grammatisch weiblichen Personenbezeichnungen wie „Kundin“ oder „Kontoinhaberin“ anzusprechen – und dürfen das vorerst auch weiter tun. Das Bundesverfassungsgericht wies die Klage einer Frau aus dem Saarland gegen diese Praxis wegen Mängeln in der Begründung ab. Das teilte das Gericht mit. Damit wurde über die rechtliche Frage nicht inhaltlich entschieden.

Der Klägerin Marlies Krämer geht es ums Prinzip. Sie hat ihre Sparkasse verklagt und war 2018 mit 80 Jahren vor den Bundesgerichtshof (BGH) gezogen, weil sie auch in Formularen als Frau wahrgenommen werden will. Bisher scheiterte die Klage aber in allen Instanzen. Der BGH entschied, dass das sogenannte generische Maskulinum im Sprachgebrauch üblich sei und keine Geringschätzung gegenüber Menschen anderen Geschlechts zum Ausdruck bringe. Die Form werde auch in vielen Gesetzen und selbst im Grundgesetz verwendet.

Doch Krämer gab nicht auf: Sie sammelte mit einem Online-Aufruf Geld, um vor das Verfassungsgericht zu ziehen. „Sprache schafft Realität. Sprache kann ausschließen, aufwiegeln, abwerten oder verletzen“, schrieb die Rentnerin auf der Sammelaufrufseite. Die Sparkassen würden Frauen auf ihren Formularen einfach ausschließen, „wie in einem Land vor unserer Zeit.“

Mutige alte Dame. – Wo kämen wir denn dahin, wenn es die Geschlechterunterschiede nicht mehr gebe?

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Posted in Allgemein, wieder Verstand2020, Zensur
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