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NARRATIVE # 29 – Assange, 9/11 und die Medien

Wikileaks hatte Hunderttausende Pager-Nachrichten veröffentlicht, die während der Terroranschläge von 9/11 verschickt wurden. Es sind dramatische und brisante Texte darunter.  Weniger der Inhalt als vielmehr die Veröffentlichung teils geheimer Dokumente des US-Außenministeriums wurden verurteilt.
Der Journalist Mathias Bröckers spricht in diesem Interview von Oval Media über seine Recherchen über Assange.

„Ambivalentes Verhältnis zwischen Medien und Assange“

Julian Assange wurde in London 2019 verhaftet, nachdem er die Botschaft Ecuadors verlassen musste. Er sitzt seitdem in einem Londoner Hochsicherheitsgefängnis. – Nun droht ihm die Auslieferung an die USA.

„Ehrenwerte Grundidee“

Der Medienjournalist Daniel Bouhs sagte, er habe die Grundidee von Assanges Projekt immer ehrenwert gefunden: „Das an die Oberfläche zu spülen, was dunkle Kräfte geheim halten wollten.“

Bouhs räumte ein, anfangs auch fasziniert gewesen zu sein, er habe sich aber irgendwann auch die Frage gestellt, ob es klug ist, das Rohmaterial zu veröffentlichen, also die Dokumente eins zu eins ins Netz zu stellen. „Mir gefällt letztlich der Gedanke, dass sonst Journalisten bei Leaks filtern, was wirklich von öffentlichem Interesse ist.“

Auch wenn viele Medien in den vergangenen Jahren bei spektakulären Enthüllungen mit Wikileaks kooperiert hätten, etwa bei den Protokollen aus den US-Botschaften, aber auch schon bei Material über die Übergriffe von US-Soldaten bei ihren Einsätzen. „Das Verhältnis zwischen Medien und Assange war schon immer ambivalent.“

Journalisten hätten Assange einerseits gerne angezapft, um an das Material zu kommen – der „Spiegel“, der „Guardian“ und die „New York Times“ etwa. „Sie haben Assange dann auch anfangs sehr verteidigt – es war ja irgendwie auch ihr „Partner“.

Aktivismus vs. Journalismus

Bei der konkreten Zusammenarbeit, so Bouhs, habe es aber auch oft Streit zwischen Assange und den Redaktionen gegeben. Das liege möglicherweise daran, dass der Australier Journalismus instrumentalisieren wollte, sagte Bouhs: „Für Julian Assange war Journalismus immer ein Werkzeug des Aktivismus – das hat er so auch selbst erklärt. Assange hat mit seiner Plattform eine Agenda gepflegt – vor allem gegen die Großmacht USA, das war immer klar.“

Bouhs betonte: „Er wollte Missstände aufdecken wie Journalisten – hatte sich aber gleichzeitig nicht an journalistische Prinzipien gehalten“ – etwa, wenn es darum gegangen sei, Kollateralschäden zu vermeiden. „Assange wollte etwa bei den Unterlagen über die Aktivitäten von US-Soldaten aus Afghanistan nichts anonymisieren.“ Assanges Ansatz sei immer gewesen, alles rauszuhauen.

Das sei auch den Redaktionen, die er quasi beliefert hat, so Bouhs, zu weit gegangen, weil es etwa Mitarbeiter der US-Armee in Afghanistan habe gefährden können, die in den Dokumenten aufgeführt waren, die aber vielleicht nur in der Küche oder als Übersetzer gearbeitet haben. Die Redaktionen hätten dann noch vieles anonymisiert.

Indirekter Whistleblower

Assanges Rolle im Journalismus und für die Öffentlichkeit sei nicht die des Whistleblowers, sagt Bouhs, er habe ja keine eigenen Dokumente veröffentlicht. „Aber er diente Whistleblowern durch die Plattform und die Anonymisierung des Informationsweges.“ Vielleicht könne man von einem indirekten Whistleblower sprechen.

 

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Posted in Juliane Assange
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