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Kategorie: History

Was würde Rudi Dutschke tun?


Ausschnitte aus der Podiumsdiskussion zwischen Rudi Dutschke, Sir Ralf Dahrendorf und Rudolf Augstein am 24. 11. 1967 im Audimax der Universität Hamburg.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ON_uq…

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# Rainer Langhans wurde 80

Gestern hatte einer Geburtstag, den die Jüngeren unter euch vielleicht nur noch als Fußnote im heutigen Geschichtsunterricht kannten, Rainer Langhans, den ich als 68er Mitläufer, (damals noch keine 21. also nicht volljährig) einmal in Heidelberg mit dem Fritz Teufel aus Berlin bei einer Uni- Demoveranstaltung erlebt hatte. Ich war keiner von Ihnen. Aber als junger Mensch fasziniert, wie die meisten Nachkriegskinder, die das Schweigen der Eltern und alten übriggebliebenen Pädagogen aus der Nazizeit und dessen Erziehungsdrill mit Schlägen mit dem Stock auf vorzeigende Hände und „blanken“ Hintern erdulden mussten.

War schon eine tolle Zeit für uns „Arbeiterschlüsselkinder“, (Beide Eltern arbeiteten, um zu bescheidenden Wohlstand zu kommen.) Ja, von der Kommune I hatten wir auch gehört und ich erinnerte mich wie ich über Carl Theodor-Straße zum Schwetzinger Schloss ein paar in meinem Alter sprechen hörte: „Du, der Langhans und der Teufel sind morgen in Heidelberg an der Uni. Vielleicht kommt der Rudi (Dutschke) auch“, während zwei Teenager neben uns kreischten, kennst du schon die neueste Platte von den Beatles, „Helf!“ (Help, I need somebody, war eigentlich gemeint.)

Jedenfalls hatte ich über die Kommune I, den Rainer Langhans und der Uschi Obermeier und der „freie Liebe“ machen natürlich gehört. Der Rainer wurde gestern 80 und lebt als Einziger noch, obwohl er sich weniger den Revolten der 60ziger verschrieben fühlte, sondern sich lieber dem Kopulieren verschrieb. – Überall kann man jetzt noch einmal lesen, wie das damals war, als die Studenten alle demonstrierten – bis auf den Rainer und die Uschi aus der Kommune 1. Die hatten für so ein Gedöns keine Zeit. Die mussten sich selbst revolutionieren und freie Liebe machen.

Modifiziertes Bild der Kommune I (Berlin)

 

 















Zitat:
„Die Mitglieder der Kommune 1 gelten mit ihren provokanten Happenings und Aktionen zum damaligen Zeitpunkt als Popstars der Protestbewegung. Hunderte Sympathisanten protestieren in diesem Sommer vor dem Schöneberger Rathaus für die Freilassung des Kommunarden Fritz Teufel, der seit dem 2. Juni wegen eines Steinwurfs bei einer Demonstration gegen den Schah in Untersuchungshaft sitzt. Die Kommune 1 sieht sich und ihre Generation zunehmender Polizeigewalt ausgesetzt und in ihrer Privatsphäre massiv eingeschränkt“. Zitat: Ende

Zitat: „Der 30-jährige Tom Hesterberg selbst hatte die Idee für das einer Polizeirazzia nachempfundenen Nacktfoto. Chef-Provokateur und Patriarch Dieter Kunzelmann, Gertrud Hemmer, Volker Gebbert, Dagmar Seehuber (oder Antje Krüger), APO-It-Boy Rainer Langhans, Dorothea Ridder, Hans Magnus’ Bruder Ulrich Enzensberger und der kleine Sohn von Gertrud Hemmer, eines der beiden Kommune-Kinder, reihen sich nackt, mit ausgestreckten Armen und gespreizten Beinen an der ebenso nackten Wand des Frühstückszimmers der berühmtesten deutschen Wohngemeinschaft auf“. Zitat: Ende

 

 

 

 

 

 





















So jung wie er wäre mancher Altachtundsechziger gerne geworden“. Dem Spiegel  hatte Langhans gesagt, dass er Trump und Facebook ziemlich toll findet und dass er, wenn es das Internet damals schon gegeben hätte, vermutlich ein „YouTubeStar“ geworden wäre.

Und der Münchener Boulevardzeitung tz vertraute er an, dass er von Uschi Obermaier keine Glückwünsche zum 80. Geburtstag erwartet  „Wir sind so zerstritten, dass sie nur noch schreit, wenn sie ein Wort von mir am Telefon hört“.

Das klärt auch das Bild meiner Jugenderinnerungen an die 68 er, deren Protest mich seiner Zeit faszinierten, dass ich mich damals jeden Abend in irgendeiner Studentenkneipe in der Heidelberger Altstadt herumtrieb, einmal sogar im „Patientenkollegtiv“ eingeladen war, weil die damals glaubten, wegen meiner Redegewandtheit und schnell Auffassungsgabe“, wäre ich einer der ihrigen.

Aber wie ist Rainer Langshans überhaupt zu Ikone einer Revolution geworden, der nie einen Hehl daraus machte, dass es ihm immer in erster Linie um seine eigene Sinnsuche  ging und „Liebe machen, mit Uschi“. Die sind heute derart zerstritten, dass sie kreischt, wenn sie seine Stimme am Telefon vernimmt. „Nein, einen Anruf zum 80-zigen, hat er nicht von ihr erwartet.“

Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, auch nur einen Finger zu rühren, um die Gesellschaft zu verändern. Seine politische Untätigkeit versteckte er immer hinter dem Slogan: „Das Private ist politisch.“ – So bleibt er für die Geschichtsbücher jedoch für immer verbunden mit der Kommune I.

Happy Birthday Rainer! – Schließlich wird man nur einmal 80. Vermutlich die Wenigsten.

Historische Irrtümer richtig stellen

Ein wahres Meisterstück ist Jürgen Zimmerer gelungen. Herr Zimmerer, Professor,  für Geschichte, und zwar für afrikanische, schafft den Brückenschlag vom Kampf gegen Corona zum Kampf gegen Rassismus. Er plädiert für die Umbenennung des Robert-Koch-Instituts. Besagte Einrichtung und damit auch ihr Namensgeber war in den vergangenen Monaten „Dauer“ Medienpräsenz.  Stimmen, dem Institut nach solle der Name entzogen werden, gab es in jüngster Vergangenheit schon ebenfalls. Allerdings mit dem Argument, das Robert-Koch-Institut habe in der „Corona-Krise“ ein erbärmliches Bild abgegeben und sei den von Koch hochgehaltenen wissenschaftlichen Standards in keiner Weise gerecht geworden.

Zimmerer will aus einem ganz anderen Grund umbenennen. Irgendwie sei dieser Koch zwar ein Medizin-Pionier, Bakteriologie, Tuberkulose, Milzbrand, Infektionskram und so weiter, aber… aber eben vor allem ein Rassist. Der „koloniale Rassismus“ sei es gewesen, der ihm bei seinen Forschungen in Afrika über die Schlafkrankheit – die er ausschließlich aus kolonial-wirtschaftlichen Gründen vorgenommen habe – weniger Rücksicht auf die „Afrikaner*innen“ nehmen ließ. Bei seinen Forschungen nach einer wirksamen Therapie habe Koch Nebenwirkungen „offenbar billigend in Kauf genommen“, so der Afrika-Historiker. Und er fragt: „Ist der Name Robert Koch für das 21. Jahrhundert noch geeignet? Kann er wirklich als Leitbild dienen, hat er die Ehre verdient, Namensgeber eines so wichtigen Instituts zu sein? Das ist nicht zuletzt auch eine Frage an die Bundesregierung. Denn wenn es die Große Koalition ernst meint mit der Aufarbeitung des kolonialen Erbes, zu der sie sich im Koalitionsvertrag verpflichtet hat, dann kann man den in kolonialen Diensten reisenden Mediziner Robert Koch wohl kaum als Vorbild hinstellen.“

Robert Koch, Emil Behring, Paul Ehrlich und Rudolf Virchow, sie alle forschten in jener Zeit an der Charité, dem größten Krankenhaus Berlins.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Robert Koch Charité

Robert Koch ist natürlich nur eine der unsäglichen Erscheinungen der Vergangenheit. Daher holte Herr Zimmerer vor wenigen Tagen auch gleich zum Rundumschlag in puncto Denkmäler aus. Im ARD-Morgenmagazin konnte man es sehen und hören: „Solche Statuen“ – Ausgangspunkt war hier die Edward-Colston-Statue in Bristol, die von geschichtsbereinigenden „Aktivisten“ kurzerhand im Avon versenkt wurde, was der Professor für ein „Event“ hält – „muss man nicht nur kommentieren, das ist das Mindeste, sondern man muss sie zu Gegendenkmälern machen und mein Vorschlag wäre, solche Statuen einfach hinzulegen oder auf den Kopf zu stellen oder zu brechen. Man könnte auch andere Denkmäler, wie zum Beispiel das Humboldt-Forum, das ja neugebaut wird, das preußische Schloss, die Fassade mit Stacheldraht aus den Konzentrationslagern brechen, sodass die Sehgewohnheit herausgefordert wird und wir in eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, die dahinter steht, gezwungen werden.“

Es gab einmal eine Generation von Historikern, die hätte eingewandt, dass das Erklären und das Einordnen Aufgabe ihrer Profession sei, nicht das Richten. Oder das Vergleichen, die Hinweise auf Dimensionen, Unterscheidungen, vergangene Epochen. Dass nicht jede Passage eines vor über 200 Jahren verfassten Werkes auch heute vorbehaltlos bejubelt werden muss und es trotzdem von einem Meisterdenker verfasst sein kann. Dass Persönlichkeiten die Wissenschaft vorangebracht haben – zu unserer aller Segen übrigens –, deren ethische Maßstäbe in ihrer Zeit als völlig normal galten, nach unserer Auffassung jedoch als inhuman angesehen werden. Dass kaum eine mittels Denkmal geehrte Persönlichkeit der Gutsmenschenvorstellung auf Zwölfjährigen-Niveau entspricht. Falls wir seit Anbeginn der Geschichte in einer Art paradiesischem Kommunismus leben würden, allerdings möglicherweise noch immer in Höhlen, wenn der Mensch nicht so wäre, wie er ist. Dass sich Beifall für den spontan Denkmal-stürzenden Mob in jedem Fall verbietet, insbesondere in einem demokratisch verfassten Gemeinwesen, welches zivilisierte Wege der Konsensfindung in Streitfragen kennen sollte. Dass man nicht auf Gräber spuckt.

Aber das ist wohl dann schon eher eine Benimm-Frage?

Hypermoral, ahistorische Beschränktheit, Hermeneutik, verpenntes Proseminar, Barbarei oder Dummheit wären weitere Stichworte. Besagte Historiker-Generation, die derartige Dinge aufs Tableau bringen würde, ist offenbar ausgestorben. Vielleicht gut so, denn damit bleibt es ihr erspart, darüber nachzudenken zu müssen, warum man die wiederaufgebaute Berliner Schlossfassade mit KZ-Stacheldraht „brechen“ sollte.

Mit Maßnahmen wie „Flatten the Curve“ wurden bereits 1918 versucht, die extrem rasante Ausbreitung der spanischen Grippe einzudämmen.

Ein Jahrhundert bevor die Coronavirus-Krankheit – bekannt als COVID-19 – das globale Bewusstsein beherrschte, wütete ein weiteres tödliches Virus auf der ganzen Welt. Inzwischen haben Forscher festgestellt, dass die Spanische Grippe von 1918, die heute als H1N1 bekannt ist, von einem Vogelstamm abstammt, der mutiert ist, um Menschen infizieren zu können. Die Symptome der Grippe ähnelten denen einer Erkältung. Die Patienten hatten manchmal eine Flüssigkeit, die sich in ihren Lungen ansammelte und sie schließlich erstickte. Das Influenzavirus tötete schließlich 50 Millionen Menschen auf der ganzen Welt, darunter 675.000 Amerikaner, das entspricht 225 bis 450 Millionen Menschen heute, wie CBS News berichtet.

Aber Städte im ganzen Land, von St. Louis bis San Francisco, führten Maßnahmen ein, um die Ansteckung frontal zu bekämpfen. Von Frischluftbehandlungen bis hin zum Gurgeln von Salzwasser – hier sind einige der Vorsichtsmaßnahmen, die das öffentliche Gesundheitswesen und städtische Beamte ergriffen, als die Spanische Grippe 1918 und 1919 in den USA wütete.

Es gab drei Wellen der Spanischen Grippe, aber der zweite Ausbruch der Krankheit war für die USA im Spätsommer 1918 besonders katastrophal.

Städte wie San Francisco nahmen diesen Ratschlag auf die nächste Stufe und schrieben sogar ein Gesetz um ihn herum. Wenn eine Person ohne Maske in der Öffentlichkeit erwischt wurde oder sie sogar unsachgemäß trug, wurde sie verhaftet oder mit einer Geldstrafe belegt. San Francisco wurde für seine proaktive Reaktion auf den Virus gelobt, aber die Stadtbeamten lockerten ihre Beschränkungen nach dem Herbst 1918. Nach der dritten Welle im Frühjahr 1919 hatte San Francisco am Ende eine der höchsten Todesraten der Grippe in den USA.

Sie wurde von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg mitgebracht, die aus Europa nach Hause zurückkehrten, und als sich die Männer in ihre jeweiligen Heimatstädte oder Stationen verteilten, breitete sich die Seuche im ganzen Land aus.

1918 trug nur der Frisör Mundschutz

 

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