WiederVerstand2020

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Schlagwort: Abendkolumne

Seniorenausgang in Coronazeiten

Waldemar Dubowski

„Eine Abendkolumne“ von Waldemar Dubowski

Ja, heute war ein echter Highlight-Tag für mich. Seit dem 16. März saß sozusagen im Home-Office fest. – Was mir im Grunde bisher wenig ausmachte. Weshalb auch. Ich langweile mich nicht, vermisste bisher auch keine „Seniorengespräche“, die in meinem Alter sich doch nur um das Gleiche handeln. Krankheit, Einsamkeit und Langweile und „hast du schon deinen Grabstein“ ausgesucht? Damit habe ich und hatte ich noch nie etwas zu tun gehabt. Mein Nahtoderlebnis hatte ich bereits 2011. Alles, was danach kam, war für mich nicht mehr wesentlich.

Also beschäftige ich mich mit dem, was mir wirklich liegt und mit immer noch am meisten Spaß macht. Das sind meine eigenen sozialen Netzwerke, mit denen ich sowieso niemanden aus meiner „Generation“ erreichen werde. – Bin ich doch der „klassische IT-Renter“ der seine Dinge schon seit 1999 auch im Internet selbst und allein bewerkstelligen kann. Er verschafft mir die Freiheit über das Internet, die Freiheit, die ich jederzeit haben kann, wann immer ich das möchte. Dass das viele meiner Generation nicht verstehen können, stört mich nicht. Jedem gönne ich dabei das Seine.

Heute hatte ich also meine Ausgehtag. Davon handelt auch dieser Beitrag. Es besteht eben ein gravierender Unterschied über Informationen aus zweiter Meinung zu berichten, als es selbst zu erleben.

Die Maske

Ja, dass Ding musste ich heute aufsetzen. Da wir heuer einen ausgesprochenen „schwülen Maitag“ hatten, war das mit der „Selbstgenähten, doppelwandig“ die sowieso vor nichts schützt, die erste Begegnung der anderen Art heute Morgen beim Hausarzt. „Stehen bleiben vor der Eingangstür“. Aufruf und danach um Vorraum „Hände desinfizieren“. Rezept holen und Maske wieder ab.

Danach zu Aldi

Maske auf! Schilder 2 Meter Abstand und durch den Discounter. Natürlich schnurstracks, dass in den Einkaufwagen gelegt, was ich als Diabetiker nicht sollte, und wochenlang so vermisste. Etwas Süßes. Mindestabstand nicht eingehalten. Die meisten Leute diszipliniert. Wagen voll und zur Kasse. „Bargeldlose Bezahlung“. (So also schaffen sie durch die Hintertür das Bargeld ab) was ist mit denjenigen die mit Bargeld bezahlen wollen? Kritische Blicke an der Kasse, durch die Augenschlitze der Masken. Wie kann man nur, dieses dreckige Geld noch anfassen wollen? – Lasst euch nur die letzte Freiheit noch nehmen, die euch geblieben ist. Danach wieder Maske unters Kinn und mit dem Einkaufswagen zum Auto.

Frisör

Eingang offen. Vor der Tür eine „Abziehmaske“ Nr. 29. – Warten. Eine junge Frisörin begleitet mich zum Frisör-Sessel. Zettel unterschreiben. 12:05 Uhr. Name, Anschrift, Telefonnummer. (Aha, das Kontrollsystem funktioniert aber.) was passiert anschließend damit? – keine Antwort. Danach Haare waschen, aus Hygienegründen, mit Aufschlag. „Wie möchten sie’s denn?“. Na, wie immer. „Immer? – wann waren sie denn das letzte Mal bei uns?“ Vor 9 Wochen. „Vor 9 Wochen?“ Ja! „Wir haben schon seit drei Wochen wieder offen!“ Ja, weiß ich. Aber als Herzkranker wollte nicht unbedingt der Erste sein. – Ich weiß doch wie die lieben Mitmenschen es immer eilig haben. Stress brauch ich in meinem Alter nicht mehr. (Ich sah, das ihre Augen lächeln mussten) immerhin das erkennt man noch. – Scheiß Corona! Covid 19 ist vorbei, laut Bodo Schiffmann.

Imbiss

Nicht im Lokal, sondern im Außenbereich. Maske auf. Die gefüllten Teller danach nach außen tragen. Halt beinahe hätte ich das Wichtigste vergessen: „Zettel ausfüllen. Uhrzeit, Datum, Name, Wohnort, Telefon“. Da kommt richtig gute Essenslaune auf. Maske also wieder ab.

Was habe ich dabei genossen?

Nun eigentlich die Autofahrt durch den Spessart. Ich wohne in einer Gegend wo andere gern Urlaub machen. Dann „Menschen gucken!“ Auch wenn die meisten nicht gut launig reagierten, wenn ich wieder mal die zwei Meter nicht einhielt. Das nennt man dann wohl ziviler Ungehorsam oder so. Schließlich bin ich im Widerstand2020. Ich denke, mit 73 Jahren passt das ganz gut zu mir.

Schließlich leben wir Alten noch.

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